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1. Februar 2010 - Penola Strait

In der Nacht hat es geschneit, in den Falten der Großbaumpersenning sitzt ordentlich Schnee. Gleich nach dem Frühstück gibt es noch einmal die Möglichkeit zum Besuch von Pléneau Island. Andere sind mit dem Kajak unterwegs, zuletzt Andrej, der sich mit sehr wenig Erfahrung im Kajakfahren alleine weit vom Schiff entfernt. Es wird dunkler, Böen kommen auf, bis zu 40 Knoten. Teilweise verlieren wir Andrej aus den Augen, welch ein Leichtsinn! Schließlich sammelt Henk ihn mit dem Schlauchboot wieder ein.

Nachmittags geht es weiter, wir wollen heute noch bis Yalour Island. Zunächst kreuzen wir Wandel Peak, die Südspitze von Booth Island und können erstmals in den spektakulären, zwischen Booth Island und dem Festland gelegenen Lemairekanal schauen.

Für heute lassen wir es aber dabei bewenden und fahren weiter südwärts durch die Penola Strait. Dabei lassen wir Petermann Island auf der Steuerbordseite liegen, die von Eduard Dallmann - genauso wie der Lemairekanal - entdeckt und nach August Heinrich Petermann benannt wurde, dem großen deutschen Geographen des 19. Jahrhunderts aus Gotha. Wie schon zu Zeiten der Pourquoi-Pas? ist die Nordostseite von Petermann Island schneefrei. Charcot schreibt (in der englischen Übersetzung): „The influence of the persistent north-east winds makes itself felt in the configuration of the two masses of Petermann Island as in all the neighbouring region. The rocks to the north-east are swept by the wind, which accumulates more and more snow on the south-west side, where the coast is formed by the sheer wall of a high ice-cliff with a snow-cornice towering over it.”

Backbord voraus liegt nun das imposante Cape Tuxen. Hier ist das Expeditionsschiff Pourquoi-Pas? vor der zweiten Überwinterung Charcots 1909 auf einen Unterwasserfelsen gelaufen und ernsthaft beschädigt worden. Wir fahren allerdings nicht ganz bis zum Kap, sondern ankern vorher schon bei Yalour Island. Während wir nach einem Ankerplatz suchen, werden wir von einem Seeleoparden verfolgt, der offensichtlich der Ansicht ist, wir hätten in seinem Revier nichts zu suchen.

Tagesstrecke: 11 sm (Gesamt: 832 sm)

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2. Februar 2010 - Vernadsky Station

Am nächsten Morgen müssen wir uns zunächst verholen. Über Nacht hat sich ein Eisberg bedrohlich genähert, deshalb wird ein neuer Ankerplatz noch vor dem Frühstück notwendig. Dann geht es auf die Insel. Wieder Pinguine, diesmal hauptsächlich Adélie-Pinguine. Ich muß mir eingestehen, daß bei mir langsam eine gewisse Pinguinmüdigkeit einsetzt. Dafür entschädigt der Ausblick auf Cape Tuxen im Osten, auf die Berthelot Islands und das antarktische Festland im Süden und auf die Argentine Islands im Westen.

Letztere sind unser heutiges Tagesziel, genauer: die ukrainische Station Vernadsky auf einer der Argentine Islands, Galindez Island. Vernadsky ist die alte britische Station Faraday, die in den 90iger Jahren an die Ukraine abgegeben wurde. Wir nähern uns der Station durch den Meek Channel. Schon von weitem ist die Station mit ihrer etwas sonderbaren Bemalung zu sehen. Wir laufen gleichzeitig mit dem französischen Schiff Hinayana um Marina Point in Stella Creek ein. Ein Verkehr hier unten, jenseits von 65°S! In einer Bucht vertäuen wir uns mit Festmachern an den Felsen. Gleichzeitig legen wir den Wasserschlauch zum Gletscher, um unsere Süßwasservorräte aufzufüllen.

Auch die Hinayana macht in der Bucht fest. Es handelt sich bei der Besatzung um eine sechsköpfige Familie, Eltern und vier Kinder im schulpflichtigen Alter. Das Schiff befindet sich auf einer Weltumseglung, von hier soll es über Kapstadt weiter nach Australien gehen. Auf vier Jahre ist der Törn angelegt. Unterricht erhalten die Kinder an Bord, wie wir am nächsten Vormittag sehen können, als sich an Deck des französischen Schiffes nichts regt.

Nachmittags setzen Rolf und ich nach Winter Island über. Hier stand die alte britische Station bevor sie nach Galindez Island umzog. Das so benannte „Wordie House“ (1947 - 1954) von der alten Station ist in dem Zustand erhalten geblieben, in dem es sich zum Zeitpunkt des Umzugs der britischen Forscher nach Galindez befand. Man sieht noch heute die Kaffeedosen aus den fünfziger Jahren und die Tagebücher mit den meteorologischen Aufzeichnungen. Obwohl die Behausung jetzt im Sommer nicht unwirtlich wirkt, treibt einem der Gedanke an eine Überwinterung in dieser Hütte, abgeschnitten von jeglicher menschlichen Zivilisation, eisige Schauer über den Rücken. Nahe der Hütte finden wir ein altes verblichenes Holzschild mit der Aufschrift „British Crown Land“.

Den Abend verbringen wir bei den Ukrainern in der Station. Zunächst zeigen sie uns ihre Station. Für mich ist es die bei weitem angenehmste Station von allen bisher besuchten. Sie vereinigt den Komfort der Amerikaner und die Gemütlichkeit - aber ohne den militärischen Charakter - der Chilenen. In der Bar der Station klingt der Tag aus.

Tagesstrecke: 4 sm (Gesamt: 836 sm)

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